Aktuelles Allgemein 03.09.2026

USA: Hitzewelle bringt größtes Stromnetz unter Druck – Blackout-Risiko steigt

Extreme Hitze treibt den Stromverbrauch in den USA nach oben. PJM, das rund 67 Millionen Menschen versorgt, hat wegen knapperer Reserven eine Maximum Generation Emergency ausgerufen.

USA: Hitzewelle bringt größtes Stromnetz unter Druck – Blackout-Risiko steigt
Am 2. September 2026 hat eine schwere Hitzewelle große Teile der USA erfasst und die Stromnetze vom Mittleren Westen bis an die Ostküste stark belastet. Besonders im Gebiet des Netzbetreibers PJM Interconnection, der rund 67 Millionen Menschen von Washington, D.C. bis in den Raum Chicago versorgt, warnte das US-Energieministerium vor einem erhöhten Risiko von Stromausfällen. PJM reagierte mit einer sogenannten Maximum Generation Emergency und forderte Kraftwerksbetreiber auf, zusätzliche Erzeugungskapazitäten bereitzuhalten.

Die Lage ist deshalb bemerkenswert, weil nicht ein technischer Defekt oder ein einzelnes Unwetter die Belastung verursacht, sondern vor allem die außergewöhnlich hohe Nachfrage. Bei anhaltender Hitze laufen Klimaanlagen über Stunden gleichzeitig, während Kühlsysteme, Gewerbebetriebe und Rechenzentren ebenfalls viel Strom benötigen. Wenn dann einzelne Kraftwerke oder Leitungen ausfallen, schrumpfen die Sicherheitsreserven des Netzes besonders schnell.

Das US-Energieministerium hatte bereits am 1. September einen Notfallauftrag nach Section 202(c) des Federal Power Act erlassen. Er erlaubt PJM, bestimmte zusätzliche Kraftwerke einzusetzen und im äußersten Fall auch Notstromerzeuger großer Verbraucher zu aktivieren, bevor die höchste Warnstufe EEA 3 ausgerufen werden müsste. Der Auftrag gilt bis zum 8. September. Laut Reuters soll damit verhindert werden, dass bei Spitzenlast kontrollierte Abschaltungen notwendig werden.

Auch der Netzbetreiber MISO, der große Teile des Mittleren Westens betreut, erhöhte seine Reserven. Dort wurde für den 2. September eine Nachfrage von rund 121 Gigawatt erwartet. Das liegt nahe am bisherigen Rekord von 127,1 Gigawatt. Mehrere regionale Versorger riefen Kunden dazu auf, unnötige Verbraucher abzuschalten, Thermostate vernünftig einzustellen und Stromverbrauch in besonders belasteten Stunden zu reduzieren.

Für Haushalte ist wichtig, diese Warnungen richtig einzuordnen. Eine Netznotlage bedeutet nicht automatisch, dass ein Blackout unmittelbar bevorsteht. Sie zeigt aber, dass die Reserve zwischen normalem Betrieb und einer ernsten Versorgungslücke kleiner geworden ist. Genau in solchen Situationen können zusätzliche Störungen – etwa ein Kraftwerksausfall, ein Leitungsproblem oder ein weiteres Unwetter – größere Auswirkungen haben als an einem gewöhnlichen Tag.

Die aktuelle Hitzewelle zeigt damit ein anderes Blackout-Szenario als Sabotage, Sturm oder technische Defekte: Ein Netz kann auch schlicht durch sehr hohe gleichzeitige Nachfrage an seine Grenzen kommen. Für Verbraucher ist das ein guter Anlass, offizielle Warnungen ernst zu nehmen, Powerbanks und wichtige Akkus frühzeitig zu laden, Kühlgeräte geschlossen zu halten und unnötige Großverbraucher aus Spitzenzeiten zu verschieben.

Quelle: Reuters, 2. September 2026; U.S. Department of Energy, Emergency Order No. 202-26-41 vom 1. September 2026.

Besonders relevant ist der Fall auch deshalb, weil PJM kein kleines Regionalnetz ist. Das Verbundsystem umfasst 13 Bundesstaaten und den District of Columbia und verbindet sehr unterschiedliche Verbraucherzentren miteinander. Dadurch können Engpässe in einem Teilgebiet durch Reserven aus anderen Regionen abgefedert werden – allerdings nur, solange genügend Erzeugung und Übertragungskapazität verfügbar bleiben. Die Notfallmaßnahmen sollen genau diese Reserve vergrößern.

Für die persönliche Vorsorge bedeutet das: Warnungen vor Netzstress sind ein wertvoller Vorlauf. Noch funktioniert der Strom, und genau deshalb lassen sich Vorbereitungen ruhig erledigen. Wasser bereitstellen, empfindliche Geräte laden, wichtige Informationen sichern und den eigenen Verbrauch bewusst steuern kostet wenig, kann aber verhindern, dass ein möglicher Ausfall den Haushalt völlig unvorbereitet trifft.

Zusätzlich lohnt es sich, die Vorbereitung mit allen Personen im Haushalt kurz abzusprechen, damit im Ernstfall jeder weiß, was zu tun ist.