Nach mehreren schweren Waldbränden in Griechenland wächst der Verdacht, dass Probleme im Stromnetz eine größere Rolle spielen als bisher öffentlich bekannt. Reuters berichtet am 18. August 2026, dass Ermittler defekte Stromleitungen mit zwei der größten Brände dieses Jahres in Verbindung bringen. Besonders im Fokus stehen Kurzschlüsse, beschädigte Leitungen und die Belastung der Netze durch extreme Hitze, starken Wind und ausgetrocknete Vegetation.
Ein Beispiel ist die Region um Agios Vasileios im Süden Griechenlands. Dort war Ende Juli ein verheerender Brand ausgebrochen. Bereits am 27. Juni hatte es in derselben Gegend einen kleineren Brand gegeben. Laut einem vertraulichen Untersuchungsbericht der Feuerwehr, den Reuters einsehen konnte, wurde dieser frühere Brand wahrscheinlich durch einen Kurzschluss in einem privaten Stromnetz ausgelöst. Die betroffenen Leitungen gehören zu einem Windpark bei Mavro Spithari und sind nicht Teil des öffentlichen Verteilnetzes von HEDNO.
Die Ermittlungen sind deshalb besonders brisant, weil der kleinere Brand offenbar eine Warnung gewesen sein könnte. In dem Bericht wird auf wiederkehrende Probleme beim Betrieb oder Zustand dieses Netzes hingewiesen. Wochen später kam es erneut zu einem schweren Feuer. Der große Brand zerstörte Waldflächen, Olivenhaine und Wohngebiete. Bei einem Unfall zweier Löschhubschrauber kamen zudem zwei Feuerwehrleute ums Leben.
Auch auf Kreta wurden defekte Stromleitungen mit einem großen Brand in Verbindung gebracht. Dort starben ebenfalls zwei Feuerwehrleute, und Urlauber mussten während der Hauptsaison evakuiert werden. Nach Daten einer griechischen Einheit zur Untersuchung von Brandstiftung und Brandursachen könnten vermutete Fehler in Stromnetzen in diesem Jahr mit rund 75 Prozent der verbrannten Fläche zusammenhängen. Der staatliche Verteilnetzbetreiber HEDNO widerspricht dieser Darstellung deutlich und erklärt, historisch liege der Anteil von Bränden mit Bezug zum Verteilnetz bei deutlich unter einem Prozent.
Unstrittig ist jedoch, dass Griechenlands Strominfrastruktur unter schwierigen Bedingungen arbeitet. Viele Freileitungen verlaufen durch trockene Vegetation oder Waldgebiete. Gleichzeitig steigen im Sommer die Temperaturen, während starke Winde Funken und Brände sehr schnell ausbreiten können. Teile des Netzes litten zudem während der langen Finanzkrise unter jahrelangen Investitionsdefiziten.
HEDNO betont, inzwischen erheblich mehr in die Modernisierung zu investieren. Nach Angaben des Unternehmens stiegen die jährlichen Investitionen von rund 150 Millionen Euro im Jahr 2019 auf etwa 800 Millionen Euro heute. Rund 1.800 Kilometer Leitungen würden mittlerweile pro Jahr unterirdisch verlegt. Dennoch bleibt die Aufgabe enorm: Das griechische Verteilnetz umfasst etwa 250.000 Kilometer.
Für die Stromversorgung ist die Debatte auch deshalb wichtig, weil dieselben Schwachstellen, die Brände auslösen können, zugleich lokale Stromausfälle verursachen oder Reparaturen am Netz notwendig machen können. Besonders bei Hitze, Trockenheit und Sturm steigt die Belastung der Infrastruktur. Ein einzelner Fehler kann dann nicht nur die Stromversorgung unterbrechen, sondern in gefährlicher Umgebung zusätzlich einen Brand auslösen.
Die aktuellen Ermittlungen zeigen, wie eng Versorgungssicherheit, Wartung und Brandschutz miteinander verbunden sind. Noch ist nicht jeder Fall abschließend geklärt, und bei den Leitungen des Windparks handelt es sich ausdrücklich um ein privates Netz. Trotzdem wächst in Griechenland der Druck, Freileitungen schneller zu überprüfen, kritische Abschnitte zu modernisieren und Leitungen in besonders gefährdeten Gebieten unter die Erde zu verlegen.
Quelle: Reuters, 18. August 2026, „Devastating Greek wildfires stoke fear of faulty power lines“.
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18.08.2026
Stromnetz unter Verdacht: Defekte Leitungen mit schweren Bränden in Griechenland verbunden
Ermittler bringen defekte Stromleitungen mit schweren Waldbränden in Griechenland in Verbindung. HEDNO widerspricht einer zentralen Zahl deutlich.