Aktuelles Allgemein 10.09.2026

Rumänien ohne Kernkraft: Cernavodă bleibt wegen Donau-Dürre länger abgeschaltet

Beide Reaktoren von Cernavodă bleiben wegen extrem niedriger Donau-Wasserstände außer Betrieb. Rumänien kompensiert rund 1,3 bis 1,4 GW fehlende Kernkraft mit Importen und anderen Erzeugern.

Rumänien ohne Kernkraft: Cernavodă bleibt wegen Donau-Dürre länger abgeschaltet
Rumänien muss länger als erwartet ohne Strom aus seinem einzigen Kernkraftwerk auskommen. Neue Berichte vom 9. September 2026 bestätigen, dass beide Reaktoren des Kernkraftwerks Cernavodă wegen des extrem niedrigen Wasserstands der Donau weiterhin abgeschaltet bleiben. Eine Wiederinbetriebnahme vor Mitte September gilt inzwischen als unwahrscheinlich. Nach Angaben aus dem Energiesektor wird eine neue Bewertung erst nach dem 15. September vorgenommen; ein Neustart könnte sich bis gegen Ende des Monats verschieben.

Cernavodă ist für das rumänische Stromsystem besonders wichtig. Die beiden CANDU-Reaktoren liefern zusammen normalerweise rund 1,3 bis 1,4 Gigawatt Leistung und decken ungefähr ein Fünftel des rumänischen Strombedarfs. Block 1 wurde bereits am 28. Juli kontrolliert heruntergefahren, Block 2 folgte am 13. August. Seitdem fehlt dem nationalen Netz die gesamte Kernkraftproduktion des Landes.

Der Grund ist nicht ein Defekt im Reaktor, sondern die außergewöhnliche hydrologische Dürre. Die Donau führt im Bereich von Cernavodă so wenig Wasser, dass die Bedingungen für eine sichere Kühlung der Anlagen nicht ausreichen. Techniker und Behörden versuchen unter anderem durch Baggerarbeiten am Flussbett, die Wasserführung in Richtung der Ansaugbereiche zu verbessern. Solange der Wasserstand jedoch nicht ausreichend und dauerhaft steigt, bleibt ein sicherer Neustart ausgeschlossen.

Für die Stromversorgung bedeutet das eine ungewöhnliche Belastungsprobe. In den Abendstunden ist Rumänien stärker auf Stromimporte angewiesen. Nach Angaben des Energieministeriums liegt die fehlende Leistung in Spitzenzeiten in einer Größenordnung von etwa 1.200 bis 1.300 Megawatt. Gleichzeitig betonen die Behörden, dass die Versorgungssicherheit derzeit nicht unmittelbar gefährdet sei. Kohlereserven, Gaskraftwerke, Wasserkraft, erneuerbare Energien und Importe sollen den Ausfall der Kernkraft auffangen.

Der Vorfall zeigt trotzdem, wie stark moderne Stromsysteme von mehreren Infrastrukturen gleichzeitig abhängig sind. Ein Kernkraftwerk benötigt nicht nur Brennstoff und funktionierende Technik, sondern auch ausreichende Kühlmöglichkeiten. Wenn extreme Trockenheit die Wasserführung eines großen Flusses verändert, kann dadurch plötzlich ein erheblicher Teil der nationalen Stromerzeugung wegfallen. Das ist kein klassischer Blackout, aber eine Situation, in der Reserven, Importe und flexible Kraftwerke entscheidend werden.

Für Haushalte ist besonders die Kombination aus Hitze, hoher Nachfrage und eingeschränkter Erzeugung interessant. Genau in heißen Perioden steigt der Verbrauch durch Klimaanlagen und Kühlung. Gleichzeitig können niedrige Flussstände Wasserkraft und thermische Kraftwerke beeinträchtigen. Wenn mehrere dieser Faktoren zusammenkommen, wächst das Risiko von Preisspitzen, Lastmanagement oder regionalen Abschaltungen.

Für die private Vorsorge bedeutet das nicht, dass in Rumänien unmittelbar ein landesweiter Blackout bevorsteht. Diese Behauptung wäre falsch. Die Behörden erklären ausdrücklich, dass die Versorgung aktuell gesichert ist. Der Fall zeigt aber, warum Haushalte nicht erst nach einem konkreten Abschaltplan reagieren sollten. Wer einige Stunden ohne Netzstrom überbrücken kann, wichtige Geräte priorisiert und Akkus, Licht, Radio und Wasser vorbereitet, ist bei einer angespannten Versorgung deutlich flexibler.

Besonders sinnvoll ist ein einfacher Verbrauchsplan für den Notstrombetrieb. Kühlschrank, notwendige Kommunikation, medizinisch wichtige Geräte und Beleuchtung sollten Vorrang haben. Wasserkocher, Heizlüfter, Kaffeemaschinen oder andere Geräte mit hoher Leistung können eine kleine Powerstation innerhalb kurzer Zeit leeren.

Cernavodă macht damit sichtbar, dass Energiekrisen nicht immer mit einem technischen Totalausfall beginnen. Manchmal ist es die Natur, die eine zentrale Stromquelle aus dem Netz nimmt und das gesamte System zwingt, wochenlang mit weniger Reserve zu arbeiten.

Quellen: Energynomics, 9. September 2026; Power Trading News Europe, 9. September 2026; Reuters-Hintergrundbericht vom 13. August 2026; Aussagen des rumänischen Energieministeriums vom 8. September 2026.