Ein schwerer Sturm hat in Lettland in der Nacht auf Sonntag, den 23. August 2026, die größten Stromausfälle des Landes seit rund 20 Jahren ausgelöst. Nach Angaben des Verteilnetzbetreibers Sadales tīkls waren gegen 7 Uhr morgens fast 277.000 Kunden ohne Elektrizität. Die Schäden betrafen nicht nur lokale Niederspannungsleitungen, sondern auch wichtige Teile des Übertragungsnetzes.
Der Sturm hatte am Samstagabend an Stärke gewonnen. Bereits gegen 20 Uhr waren rund 108.000 Kunden ohne Strom, später stieg die Zahl weiter deutlich an. Starker Wind, heftiger Regen und umstürzende Bäume beschädigten Leitungen und Infrastruktur in zahlreichen Regionen. Besonders betroffen waren Teile im Osten und Süden des Landes, aber auch rund um Riga und in anderen Gebieten wurden Störungen gemeldet.
Der Übertragungsnetzbetreiber Augstsprieguma tīkls meldete am Sonntagmorgen umfangreiche technische Schäden. Bei 46 von mehr als 150 Umspannwerken war der Betrieb beeinträchtigt. Fünf Freileitungen mit 330 Kilovolt wurden beschädigt, zusätzlich waren 44 Leitungen der 110-Kilovolt-Ebene betroffen. Drei dieser 110-Kilovolt-Leitungen konnten bis zum Morgen bereits wieder in Betrieb genommen werden.
Auf der aktuellen Störungsliste des Netzbetreibers wurden während der Nacht zahlreiche weitere technische Fehler registriert, unter anderem bei Umspannwerken in Sigulda, Ieriķi, Madona, Preiļi, Barkava, Viļāni, Ķegums und weiteren Orten. Die Vielzahl gleichzeitig auftretender Störungen macht deutlich, wie stark ein Sturm ein Stromnetz auf mehreren Ebenen gleichzeitig treffen kann.
Schon vor dem Höhepunkt des Unwetters hatten die Behörden vor Windböen von etwa 25 bis 32 Metern pro Sekunde gewarnt. Bei solchen Bedingungen können Bäume und große Äste auf Freileitungen stürzen. Gleichzeitig erhöht starker Regen die Gefahr von Überschwemmungen rund um elektrische Anlagen. Die Betreiber hatten deshalb ihre Einsatzbereitschaft erhöht und zusätzliche Reparaturmannschaften vorbereitet.
Die Behörden warnten ausdrücklich davor, sich heruntergerissenen Stromleitungen, in Leitungen hängenden Bäumen oder überfluteten Transformatoren und Schaltanlagen zu nähern. In gefährdeten privaten Gebäuden wurde empfohlen, die Stromversorgung rechtzeitig abzuschalten, wenn steigendes Wasser elektrische Installationen erreichen könnte – allerdings nur, wenn der Sicherungskasten gefahrlos zugänglich ist.
Bei einem so großflächigen Ereignis kann die vollständige Wiederherstellung der Stromversorgung deutlich länger dauern als bei einem gewöhnlichen lokalen Defekt. In einzelnen Regionen wurden Bewohner bereits darauf hingewiesen, dass Reparaturen länger als 24 Stunden dauern könnten.
Der Fall Lettland zeigt, wie schnell ein extremes Wetterereignis aus vielen einzelnen Leitungsschäden eine überregionale Stromkrise machen kann. Wenn gleichzeitig Hochspannungsleitungen, Umspannwerke und lokale Verteilnetze beschädigt werden, reicht es nicht, nur eine einzelne Fehlerstelle zu reparieren. Netzbetreiber müssen das System schrittweise stabilisieren und beschädigte Abschnitte sicher wieder zuschalten.
Für Haushalte bedeutet das: Bei schweren Stürmen ist nicht nur mit kurzen Unterbrechungen zu rechnen. Geladene Telefone und Powerbanks, alternative Beleuchtung, Trinkwasser und ein Plan für Kühlschrank, Gefrierschrank und elektrische Haustechnik können entscheidend sein, wenn die Versorgung über viele Stunden ausfällt.
Quellen: LETA via BB.LV, 23.08.2026; Augstsprieguma tīkls (AST), 22.–23.08.2026; LSM, 22.08.2026.
https://en.bb.lv/article/our-latvia/2026/08/23/the-storm-caused-the-largest-power-outages-in-the-last-20-years-108005
https://ast.lv/lv/content/pieslegumi-parvades-sistemai
https://www.lsm.lv/raksts/zinas/latvija/22.08.2026-sestdienas-vetra-lietu-nomaina-vejs-aptuveni-160-000-majsaimniecibam-trauceta-elektroapgade.a659923/
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23.08.2026
Lettland: Schwerster Stromausfall seit 20 Jahren – Sturm legt Netz großflächig lahm
Ein heftiger Sturm hat in Lettland massive Schäden am Stromnetz verursacht. Am Sonntagmorgen waren zeitweise fast 277.000 Kunden ohne Strom, zahlreiche Umspannwerke und Hochspannungsleitungen fielen aus.