Aktuelles Allgemein 12.09.2026

Indien unter Stromdruck: Fast ein Drittel der Kohlekraftwerke mit kritischen Brennstoffreserven

59 indische Kohlekraftwerke hatten am 9. September nur noch kritisch niedrige Vorräte. Hitze, hohe Nachfrage, niedrige Wasserstände und begrenzte Speicher erhöhen den Druck auf das Stromsystem.

Indien unter Stromdruck: Fast ein Drittel der Kohlekraftwerke mit kritischen Brennstoffreserven
Indien steht vor einer angespannten Phase seiner Stromversorgung. Neue Daten zeigen, dass fast ein Drittel der kohlebefeuerten Kraftwerke des Landes nur noch kritisch niedrige Brennstoffvorräte besitzt. Nach Angaben aus dem Energiesektor hatten am 9. September 2026 insgesamt 59 Kraftwerke weniger als 25 Prozent des vorgeschriebenen Kohlebestands oder nur noch Vorräte für ungefähr drei Betriebstage. Ende August waren es noch 45 Anlagen gewesen. Die Zahl ist damit innerhalb weniger Tage deutlich gestiegen.

Der unmittelbare Auslöser ist eine ungewöhnlich hohe Stromnachfrage. Anhaltend hohe Temperaturen, verstärkt durch ein El-Niño-Muster, treiben den Verbrauch nach oben. Der Spitzenbedarf nähert sich erneut dem bisherigen Rekord von rund 270,7 Gigawatt, der erst im Mai erreicht worden war. Tagsüber hilft die starke Solarstromproduktion, einen Teil der Last zu tragen. Problematisch werden jedoch die Abendstunden, wenn die Solarleistung zurückgeht und gleichzeitig Kühlung, Beleuchtung, Haushalte und Industrie weiter Strom benötigen.

Hinzu kommt, dass die Wasserspeicherstände für die Jahreszeit niedriger sind. Damit steht weniger flexible Wasserkraft zur Verfügung, die normalerweise Lastspitzen auffangen kann. Batteriespeicher sind in Indien noch nicht in einem Umfang vorhanden, der diese Lücke vollständig schließen könnte. Deshalb bleibt Kohle in den Abend- und Nachtstunden ein entscheidender Pfeiler der Versorgung.

Die niedrigen Bestände bedeuten nicht automatisch, dass unmittelbar ein landesweiter Blackout bevorsteht. Dafür gibt es derzeit keine belastbaren Hinweise. Die Situation erhöht aber den Druck auf Logistik und Kraftwerksbetrieb. Wenn mehrere Anlagen gleichzeitig nur noch wenige Tage Reserve besitzen, kann jede Verzögerung bei Transport, Fördermengen oder Bahnkapazitäten schneller kritisch werden.

Indien reagiert bereits. Die Zahl der Kohlezüge wurde erhöht. Am 6. September waren 444 Züge im Einsatz, gegenüber 370 am 3. September. Coal India hat zusätzlich Straßentransporte ausgeweitet. Das Unternehmen verfügt nach eigenen Angaben weiterhin über große Kohlemengen an den Minenstandorten. Das Kernproblem liegt deshalb nicht nur in der Gesamtmenge, sondern darin, den Brennstoff rechtzeitig zu den richtigen Kraftwerken zu bringen.

Für Blackout-Vorsorge ist dieser Fall interessant, weil er zeigt, dass Strommangel nicht nur durch technische Schäden entsteht. Auch Hitze, hohe Nachfrage, geringe Wasserstände, begrenzte Speicher und Transportengpässe können sich gegenseitig verstärken. Ein Stromsystem kann auf dem Papier genügend Kraftwerke besitzen und trotzdem unter Druck geraten, wenn Brennstoff oder flexible Reserve nicht rechtzeitig verfügbar sind.

Für private Haushalte ist die wichtigste Lehre, nicht erst bei einer offiziellen Abschaltwarnung zu reagieren. Geladene Powerbanks, LED-Licht, ein batteriebetriebenes Radio, Trinkwasser und ein Plan für Kühlung und Kommunikation schaffen bereits bei kurzen Ausfällen Sicherheit. Besonders bei großer Hitze sollte man zusätzlich bedenken, dass Ventilatoren, Klimageräte und Kühlschränke gleichzeitig stark gebraucht werden.

Wer einen Gefrierschrank besitzt, kann außerdem eine einfache Kältereserve aufbauen. Gefrorene Wasserflaschen oder Kühlakkus helfen, die Temperatur länger niedrig zu halten, wenn der Strom ausfällt. Wichtig ist dabei, Behälter nicht randvoll zu füllen, weil sich Wasser beim Gefrieren ausdehnt. Diese Reserve ersetzt keinen langen Notstrombetrieb, kann aber wertvolle Stunden gewinnen.

Die Entwicklung in Indien ist deshalb kein Beweis für einen bevorstehenden landesweiten Blackout. Sie ist vielmehr ein Warnsignal dafür, wie schnell ein Energiesystem bei Hitze und hoher Last auf knappe Reserven treffen kann.

Quellen: Reuters, 11. September 2026; Daten des indischen Energiesektors zum Stand 9. September 2026; Angaben von Coal India.